Es ist noch nicht lange her, dass sich die AfD im hessischen Gießen versammelte, um ein neues Kapitel ihrer Nachwuchsarbeit aufzuschlagen. Begleitet von massiven Protesten aus der Zivilgesellschaft wurde dort die „Generation Deutschland“ ins Leben gerufen. Die Organisation soll das Erbe der „Jungen Alternative“ (JA) antreten – jener Jugendorganisation, die vom Bundesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wurde und die Mutterpartei zunehmend in Bedrängnis brachte.
Die Neugründung in Gießen galt Beobachtern und Experten vor allem als strategisches Manöver. Durch die Auflösung der JA (Junge Alternative) und die engere Anbindung der neuen „Generation Deutschland“ an die Mutterpartei wollte die AfD-Führung weiteren Schaden vom Gesamtgefüge abwenden und radikale Auswüchse schneller unterbinden. Eine Mitgliedschaft in der Jugendorganisation ist daher heute zwingend an eine Mitgliedschaft in der AfD geknüpft.
Doch die Hoffnung auf eine inhaltliche Mäßigung scheint trügerisch. Der Verfassungsschutz erkennt auch in der ‚Generation Deutschland‘ bereits kurz nach ihrer Gründung deutliche rechtsextreme Tendenzen und eine entsprechende programmatische Ausrichtung. Die Organisation rückt deshalb unmittelbar ins Visier des Bundesamtes für Verfassungsschutz, das keine Abkehr vom bisherigen radikalen Kurs der Vorgängerorganisation feststellen kann.
Einzelne Mitglieder schon jetzt auffällig
Dass sich an der radikalen Ausrichtung der Jugendorganisation trotz neuem Namen faktisch nichts geändert hat, belegen die Aktivitäten der Mitglieder in den sozialen Medien. Ein besonders brisantes Beispiel liefert ein Nutzer, der auf der Plattform X unter dem Namen Alexander B. auftritt. B. , der sich auf X als Dortmunder ausgibt, lässt keinen Zweifel an seiner politischen Heimat: In seinem Profil verkündet er stolz die Doppelmitgliedschaft in der AfD und der „Generation Deutschland“. In einem Post bezeichnet er sich zudem als Teil der neuen Rechten.
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| Alexander B. bekennt sich offen als Teil der „Neuen Rechten“ und der „Generation Remigration“. Quelle: Screenshot X-Account Alexander B. |
Doch es ist nicht die bloße Mitgliedschaft, die aufhorchen lässt, sondern die Inhalte, die er dort täglich verbreitet. Seine Tweets lesen sich wie ein Katalog rechtsextremer Ideologeme:
- Remigrations-Fantasien: Er fordert offen die millionenfache Vertreibung von Menschen aus Deutschland – jene Pläne, die bereits beim geheimen Treffen in Potsdam für bundesweite Empörung und Massenproteste sorgten.
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B. deklariert die „millionenfache Remigration als festen Bestandteil seines politischen Kampfes für die AfD. Quelle: Screenshot X-Account Alexander B. |
- Rechtsextreme Kampfbegriffe: In seinen Posts finden sich Begriffe wie der „Große Austausch“ oder die „Auslöschung des eigenen Volkes“. Es sind Chiffren der sogenannten „Neuen Rechten“, die gezielt Ängste schüren und den Boden für eine völkische Gesellschaft bereiten sollen.
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| B. verbreitet die Erzählung vom „Großen Austausch“ und diffamiert politische Mitbewerber als „Volksvernichterparteien“. Quelle: Screenshot X-Account Alexander B. |
Besonders verstörend: B. geht in seiner Rhetorik über bloße politische Forderungen hinaus und greift auf ein Vokabular zurück, das Menschen nach ihrer Herkunft in Wertigkeitsstufen einteilt. So bezeichnet er einen beschuldigten Geflüchteten explizit als ‚minderwertig‘ – eine Entmenschlichung, die tief in rassistische Ideologien zurückreicht.
Auch in weiteren Beiträgen schürt er pauschal Angst und Hass auf Geflüchtete, indem er ausländische Staatsbürger als „Hauptbedrohung aller deutschen Frauen“ markiert. Diese Form der Entmenschlichung lässt keine Zweifel mehr an der tiefsitzenden völkischen Gesinnung, die hinter der bürgerlichen Fassade der neuen Jugendorganisation steht.
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| In einer Antwort auf Berichte über verletzte Polizeibeamte bezeichnet B. einen tatverdächtigen Geflüchteten explizit als „minderwertigen Ausländer“ und fordert dessen sofortige Abschiebung. Quelle: Screenshot X-Account Alexander B. |
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| B. markiert ausländische Staatsbürger pauschal als „Hauptbedrohung aller deutschen Frauen“ und verbindet dies mit einem Aufruf zur Remigration. Quelle: Screenshot X-Account Alexander B. |
Neben der Herabwürdigung Einzelner propagiert B. auch kollektive Ausschlussmechanismen, die an die dunkelsten Kapitel der Geschichte erinnern. Er spricht offen davon, Schulen und die Gesellschaft „regelrecht säubern“ zu müssen. Ziel dieser „Säuberung“ seien alle Personen, die nach seinem Verständnis „unsere Werte/Religion/Kultur verleumden“ – wobei er explizit muslimische Mitbürger ins Visier nimmt. Diese Formulierungen lassen deutliche ideologische Parallelen zur Rhetorik der NS-Zeit erkennen, in der ganze Bevölkerungsgruppen pauschal entmenschlicht und ausgegrenzt wurden. Sie verdeutlichen, dass es hier nicht um eine politische Debatte über Migration geht, sondern um ein totalitäres Gesellschaftsverständnis.
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Alexander B. fordert eine „Säuberung“ von Schulen und Gesellschaft und das „Rausschmeißen“ von Menschen mit anderer religiöser oder kultureller Prägung. Quelle: Screenshot X-Account Alexander B.
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Keine Stellungnahme: Betroffener lässt Frist verstreichen
Um Alexander B. die Möglichkeit zur Einordnung seiner Aussagen zu geben, haben wir ihn am 04.01.2026 öffentlich über X kontaktiert und um die Nennung eines Kontaktweges für einen Fragenkatalog gebeten. Eine inhaltliche Reaktion blieb bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung am 05.01.2026 aus. Dieses Schweigen fügt sich in das Bild einer Organisation, die ihre radikalen Ansichten zwar offen zur Schau stellt, sich einer kritischen, journalistischen Auseinandersetzung jedoch entzieht.
Strategische Fassade und radikale Realität
Die Analyse der Aktivitäten von Alexander B. zeigt ein tiefgreifendes Problem für die neu gegründete „Generation Deutschland“ auf. Während die AfD-Führung die Organisation als disziplinierteres Nachfolgeprojekt der „Jungen Alternative“ positionieren wollte, sprechen die Belege an der Basis eine andere Sprache.
Die Rhetorik von B. beschränkt sich nicht auf harte politische Kritik, sondern driftet systematisch in völkisch-nationalistische Denkmuster ab. Die Verwendung von Begriffen wie „Säuberung“ und die Einteilung von Menschen in „minderwertige“ Kategorien rütteln an den Grundfesten der menschlichen Würde. Dass B. sich dabei explizit als Teil der „Neuen Rechten“ begreift und die „millionenfache Remigration“ als Kern seines Kampfes deklariert, entlarvt die Umbenennung in Gießen als rein kosmetische Operation.
Für den Verfassungsschutz liefern Mitglieder wie Alexander B. die Bestätigung, dass die personellen und ideologischen Kontinuitäten zur extremistischen Vorgängerorganisation JA bestehen bleiben. Die „Generation Deutschland“ scheint kein Neuanfang zu sein, sondern die Fortsetzung einer Radikalisierung unter neuem Namen.
Quellen:
• X-Dokumentation: Eigene Auswertung öffentlicher Beiträge des Accounts Alexander B. (Januar 2026).
• Hintergrund: Berichte des Tagesspiegel zur Gründung der „Generation Deutschland“ und zur Beobachtung durch den Verfassungsschutz.
• Recherche: Eigene Verifizierung und Dokumentation digitaler Spuren der „Neuen Rechten“.
• Anfrage: Öffentliche Konfrontation des Betroffenen am 04.01.2026 (unbeantwortet).
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